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Anja Kaufmann, Roman Haefeli: RadioSolarKompass
RadioSolarKompass
Webseite, Software, Internetradios, 2005/2011
Das Internetprojekt RadioSolarKompass der Medien- und SoundkünstlerInnen Anja Kaufmann und Roman Haefeli ist weniger ein Kompass, denn eine Reise um die Welt in 24 Stunden, eine akustische Reise, die der Sonne folgt. Der RadioSolarKompass ist aber vor allem ein Radio des
Internetzeitalters, das die globale Verfügbarkeit von Informationen widerspiegelt, da es von über 2000 Radiostationen gespeist wird. Schaltet man dieses ‹Radio› unter radiosolarkompass.org an, kann es sein, dass man eben mit Jerewan, Nairobi oder Manila verbunden ist und die dortigen Morgennachrichten hört. Die Software des Internetprojektes verknüpft weltweit Streams von lokalen Online-Radiostationen und zapft sie an. Der jeweilige Ort der aktuell gespielten Radiostation wird auf einer Weltkarte markiert, dem visuellen Erscheinungsbild des Projekts. Die Kopplung zwischen räumlichen Koordinaten und zeitlichen Daten, nämlich den jeweils aktuellen Sonnenaufgangszeiten jener Orte, an denen sich die vordefinierten Radiostationen befinden, steuert das Programm von RadioSolarKompass. Den ganzen Tag über wird man Morgennachrichten aus aller Welt hören, denn irgendwo geht immer gerade die Sonne auf. Die örtliche Dichte der lokalen Radiostationen und die Sonnenaufgangszeiten regeln die Reihenfolge und die Länge der einzelnen Streams, die manchmal zwei, manchmal fünf Minuten lang sein können. «Die Komposition, die dadurch entsteht», so Anja Kaufmann, «kann als hörbare Sprache einer nicht sichtbaren Wirklichkeit verstanden werden.» Der stetige Wechsel zwischen Sprachen, Orten und inhaltlichen Prioritäten macht die virtuelle Reise um die Welt erfahrbar. Indem die Ungleichzeitigkeiten als Gleichzeitigkeiten wahrgenommen werden, offenbaren sie ihre jeweils regional-lokalen Besonderheiten als Unterschiede, ebenso wie die bekannte globale Gleichschaltung von Nachrichten. Das unablässige Kontinuum von Sendungen aus originalen Sendezentralen trifft den Kern der Frage, wie global wir wirklich informiert sind und wie weit wir diesem Anspruch gerecht werden.
Das Projekt wurde für die Ausstellung aktualisiert, neu
programmiert und re-designt. (Design: Jan Kríbek)