Shedhalle / Ausstellungen / Dump Time / KünstlerInnen

Igor und Ivan Buharov, H: «Johnny and the Goosies», 2010 (Videostill)
Oneheadword Protection, 35 mm Transfer auf DVD, 6 min, 2006
Hotel Tubu, 35 mm Transfer auf DVD, 4 min, 2002
Mothmilk, Super 8 Transfer auf DVD, 8 min, 2009
Johnny and the Goosies, 35 mm Transfer auf DVD, 5 min, 2010
Die beiden ungarischen Filmemacher mit dem Pseudonym Igor und Ivan Buharov (Kornél Szilágyi und Nándor Hevesi) machen ihre Filme auf eine völlig horizontale Weise. Darunter ist eine Praxis zu verstehen, die nicht die Ratio als das oberste Prinzip setzt, sondern Komponenten wie Zufall, Kollektivität und Spiel, kurzum ein prozessuales Gehen- und Zulassen der Dinge sowie der Mut zum Abdriften vom herkömmlichen Verstehen. Sie arbeiten zumeist ohne Skript oder verlassen dies und sie ermutigen die SchauspielerInnen dazu, frei zu spielen; sie verwenden Found Footage, arbeiten assoziativ und spielen die Filmmusik häufig selbst. «Manchmal kommen die Ideen nicht runter, dann muss man eben warten. Wenn sie nicht kommen, reg dich nicht auf. Manchmal können sie halt nur stückweise realisiert werden.» Diese Sätze, die so heiter und leicht im Vorspann zu «Hotel Tubu» daherkommen, lesen sich wie eine Poetologie ihres Schaffens. Obwohl jeder Film ein abgeschlossenes Ganzes darstellt, steht er doch im Fluss einer bereits über 15-jährigen gemeinsamen Tätigkeit, in der das Ende des einen Films den Anfang des nächsten bestimmen kann, oder wo die eingenommene inhaltliche Position im nächsten Film anders gezeigt wird. Falls sich denn eine solche überhaupt klar bestimmen lässt. Denn ihre Filme sind sinnlos im besten, «surrealen» Sinn des Wortes: Offen für unvorherseh-bare Zusammenhänge jenseits des einen Sinns, offen für uns. In allen Filmen geht es z.B. um das Erreichen eines höheren Bewusstseinszustands oder die Fragen nach dem besseren Leben oder richtigen Handeln. Diese «schweren Themen» sind so vielgestaltig verhandelt, voller Gebrochenheit und Ironie, und so witzig inszeniert, z.B. mit absurden Technokostümen, Tier-masken oder alten Menschen, wie man sie so sonst nicht zu sehen bekommt, dass sie schon wieder glaubwürdig sind. Um dieses kontinuierlich Experimentelle zu betonen und die Lesarten kombinierbar zu machen, wurden für die Filminstallation in der Shedhalle vier verschiedene Kurzfilme aus den letzten zehn Jahren ausgewählt.