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Johanna Domke, D/DK: «Sleepers» (Videostill)
Sleepers
HD auf DVD, 10.40 min, 2007
Auf den ersten Blick sehen wir in Johanna Domkes Video «Sleepers» eine mittlerweile ganz alltägliche Situation: Menschen schlafen auf einem Flughafen. Es handelt sich dabei um den Flughafen Stansted ausserhalb Londons, der für seine Billigflüge bekannt ist. Weil die Abflüge sehr früh am Morgen sind, schlafen viele Menschen dort. Auf den zweiten Blick wirkt das Ganze jedoch eingefroren und seltsam verrückt: Die Kamera ist ganz nahe bei den Menschen und befindet sich auf derselben, horizontalen Ebene wie die Liegenden. Eine Horizontalität des Blicks und Erlebens, die durch den unendlich langsam scheinenden Schwenk durch die Halle und die gleichmässig tief dröhnende Musik noch betont wird. Wir sehen ein Panorama des Schlafs, das total und in dieser vollkommenen Ausschliesslichkeit unheimlich geworden ist: Alles schläft, keiner wacht, keine bewegt sich. Doch die (versteckte) Kamera nimmt alles ins Visier und tastet alles ab: Rümpfe in Schlafsäcken, eine Hand, eine Haarsträhne, ein dastehender Gepäckwagen, auf dem das Reisen marktschreierisch angepriesen wird. „Es scheint, als ob der Flughafen zu einem Stillstand gekommen wäre. Indem sich «Sleepers» in diesen Stillstand hineinbewegt, porträtiert es einen Nicht-Moment an einem Nicht-Ort“, schreibt die Künstlerin über ihre Arbeit. In «Sleepers», das spürt man beim Zuschauen mit jeder Pore, ist die Welt Schlaf geworden, und wir ein Stück mit ihr. Die Hektik des pausenlosen in der Welt Herum-Jettens und des zur gleichen Zeit überall Seins, um das Maximum zu erleben, ist einer Verwandlung gewichen, die gerade jetzt stattfindet, doch klar als Ausnahmezustand erscheint. Die Menschen sind da – zahlungskäftige Jugendliche, die das Geschäft mit den Billigflügen am Laufen halten. Und doch sind sie gerade jetzt weg: total erschöpft von den Verheissungen der Globalisierung, abgedriftet in ihre je eigenen, privaten Welten, neuen Reizen entgegen-dämmernd.