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Mladen Stilinović, HR: «Artist at Work» (Foto aus der Fotoserie), 1978
Omjetnik radi (Artist at work), 1978
8 Fotografien, S/W, 30 x 40 cm
Praise of Laziness (Das Lob der Faulheit), 1993
Text auf Papier, 21 x 29 cm, gerahmt
Ich habe keine Zeit, 1979/2001
Künstlerbuch, 52 Seiten, 16.3 x 12 cm
Deutsche Version, Edition Secession Wien, 2001
Mladen Stilinović ist einer der bekanntesten Künstler Kroatiens, der seit den 70er Jahren Collagen, Künstlerbücher, Malereien und Fotografien produziert. Aber Mladen Stilinović ist auch ein Künstler, der die Faulheit preist. Auf acht schwarz-weissen Fotografien sieht man den Künstler selbst im Bett liegen, abwechselnd mit offenen und mit geschlossenen Augen und mit dem Rücken zum Betrachter. «Artist at work» - der Künstler bei der Arbeit - heisst diese Foto-serie, die 1978 während einer Performance in einer Galerie in Zagreb entstand. Dies war zu Zeiten des Staatsozialismus in Jugoslawien, in der Arbeit vor allem als Propagandamittel für den Aufbau der sozialistischen Gemeinschaft ideologisiert wurde. Zeitgenössische, kritische Kunst hingegen hatte es schwer in der politisch observierten Öffentlichkeit. Hinter dem spürbaren Humor, ein parasitäres Subjekt in der tätigen Gemeinschaft zu sein, drückt sich die Verweige-rung des Künstlers gegenüber der ideologischen Vereinnahmung aus.
Dass Faulheit und Müssiggang im Selbstverständnis von Mladen Stilinović aber auch nach der Transformation des Realsozialismus zum Spätkapitalismus Bestand haben unterstreicht der Künstler in seinem Manifest «Das Lob der Faulheit» von 1993. Mit Verweisen auf Marcel Duchamp und Kasimir Malewitsch huldigt Stilinović der Faulheit als Ursprung und Motor von Ideen und Reflexion: «It is not enough to know about laziness, it has to be practiced and made perfect. Artists in the West are not lazy and so they are no longer artists ... There is no art without laziness. » (Mladen Stilinović)
Wer immerzu tätig sei und Zeit nicht tatenlos verstreichen liesse, der würde vor sich selbst, vor dem Leben, davon rennen. Der Künstler Stilinović, der zwei politische Systeme erlebt hat, ist überzeugt, dass Kunst und Faulheit zusammen gehören und dass der Künstler kein besserer wird, wenn er sich intensiv um seine Vermarktung im weltweiten Kunstbetrieb müht. Als paradoxe Aufforderung den gehuldigten Müssiggang zu praktizieren kann das Künstlerbuch «Ich habe keine Zeit» verstanden werden. Das im Jahr 1979 zunächst handschriftlich angefertigte Buch, das über 52 Seiten und in engen Zeilen und unendlichen Wiederholungen die uns allzu bekannte Rhetorik des Stressgeplagten wieder gibt, empfiehlt Stilinović von der ersten bis zur letzten Zeile zu lesen, und zwar ausgerechnet dann, wenn man keine Zeit hat. Die Erfahrung, zu der der Künstler uns einlädt, ist die der Entschleunigung, der Selbstvergewisserung und des Zweifels an der eigenen Rastlosigkeit.